Müllbergweide

Fröttmaning – Wochenbilder 17-22

Stadtleben

Das fand ich beeindruckend letzte Woche: Im Norden Münchens gibt es einen Müllberg, der in den 1970-80er Jahren zu einem Naherholungsgebiet umgewandelt wurde. Dort stand früher der Weiler Fröttmaning, mit der ältesten Kirche Münchens. In den 1930er-Jahren wurde dann die Autobahn gebaut, erst die A9 und später die A 99. In den 1950er Jahren begann München den Müll dort zu deponieren, der Müllberg wuchs immer mehr und hätte auch fast die Kirche unter sich vergraben, was dank Bürgerprotesten nicht geschah. Die Kirche blieb stehen, die Höfe außenrum hingegen verschwanden.

Eine Kunstinstallation von Tim Ulrichs erinnert an das Verschwinden des Dorfes im Müll.

Müllberg frisst Dorf

Ich erinnerte mich an eine Fotodokumentation aus den 1980er Jahren von Susanne Kippel (oder Susanne Amatosero): „Mit Schwund muaßt rechnen!“ über den letzten Hof von Fröttmaning und dessen Bewohner und Leben mit und teilweise auch von dem Müllberg. Ich suchte und fand es noch in meinem Bücherregal! Auch erinner ich mich an Autofahrten nach München in meiner Kindheit, vorbei am wachsenden, stinkenden und mitunter brennenden Müllberg. Jetzt stehen da hohe Bäume und Schafe weiden in einer hügeligen Landschaft. Und noch gärt der Berg und produziert explosive Deponiegase, auf deren Gefahr immer wieder Schilder hinweisen.

Mit Schwund muaßt rechnen!

 

Veröffentlicht von

Oliver Lauberger [finnsland.net] ist zu Fuß seit über 20 Jahren im Großraum Frankfurt unterwegs, dabei wird auch fotografiert. Hier und auch anderswo.